Zuchtverband – was heißt das? Diese Frage wird sehr oft von Interessierten gestellt und wir versuchen sie wie folgt zu beantworten: Zuchtverbände sind eingetragene Vereine, d.h. privatrechtliche Zusammenschlüsse, die staatlich anerkannt sind. Alle zuchtrelevanten Aufgaben werden durch das deutsche bzw. europäische Tierschutzgesetz geregelt. Nach der Novellierung des Tierschutzgesetzes 1989 wurden den Zuchtverbänden weitreichende Kompetenzen zugesprochen, u.a. wurde die staatliche Kör-Hoheit auf die Zuchtverbände übertragen. Diese stehen aber weiterhin unter staatlicher Aufsicht. Da in Deutschland die Überwachung der Tierschutzgesetzgebung den Ländern obliegt, wird die Aufsicht durch die Landesbehörden wahrgenommen Was sind hoheitliche Aufgaben? Zum Beispiel sind das bei der Zucht: - Erstellung und Konzeption von Zuchtprogrammen mit Festlegung der Eintragungsbedingungen
- Eintragung von Hengsten (Körung) und Stuten in die dafür im Rahmen des Zuchtprogrammes vorgesehenen Zuchtbücher bzw. Abteilungen
- Registrierung der Fohlen der jeweiligen Zuchtabteilungen, Vergabe von Lebensnummern.
Weitere hoheitliche Aufgaben sind administrative Aufgaben, wie - Führen und Pflege der Zuchtbücher
- Kontrolle über Deck- und Abfohlgeschehen
- Erstellung von Papieren (Abstammungsnachweise, Pferdepässe)
- Zuchteintragungen in Abstammungsnachweisen
Darüber hinaus gibt es noch die Beratungs- und die Kontrollaufgaben, wie - Beratung der Züchter in allen Fragen der Zucht
- Aktive Zuchtunterstützung der Züchter » Fürsorgepflicht gegenüber den Züchtern
- Kontrollen der Zuchtstätten und deren Aktivitäten
Zusätzliche Aufgaben des Zuchtverbandes, die aber nicht als hoheitlich anzusehen sind, ist die Förderung der Zucht durch - Schauwesen mit Prämierungen
- Publicrelations und Marketing (Messen, Werbung etc.)
- Sportförderung
Wo sind die Unterschiede, die in den hoheitlichen Aufgaben liegen? Zum Beispiel die Stutbuchaufnahme: Die Voraussetzung hierfür sind - Der Antrag des Züchters zur Eintragung seiner Stute in ein betreffendes Zuchtbuch
- Eine Pedigreeüberprüfung auf Eintragungsfähigkeit (muss normalerweise vor dem Eintragungstermin in der Geschäftsstelle erfolgen)
Der Ablauf ist wie folgt: - Identitätskontrolle anhand von Originalpapieren. Abweichungen müssen kenntlich gemacht werden
- Messen der Stute
- Bewertung der Stute laut ZBO durch Bewertungskommission
- Eintragung der Stute in das jeweilige Zuchtbuch bzw. in die jeweilige Abteilung
Damit verbunden ist: - Aufnahme des Züchters in den Verband (wenn noch kein Mitglied)
- Eintrag der Zuchtbuchaufnahme in den Abstammungsnachweis der Stute
- Eintragung der Daten der Stute mit Pedigree, Benotung, Maße und der jeweiligen Abteilung, in das Zuchtbuch (EDV)
Fohlenregistrierung Ebenfalls ist als hoheitliche Aufgabe die Fohlenregistrierung zu sehen. Die Voraussetzungen hierfür sind anders gelagert und wie folgt: - Vorlage eines gültigen Deckscheines
- Abfohlmeldung
- Eltern müssen im Zuchtbuch eingetragen sein, bzw. den Anforderungen der ZBO entsprechen
Auch der Ablauf entspricht nicht der Stuteneintragung sondern läuft mit folgendem Inhalt: - Vorstellung des Fohlens bei Fuß der Mutter » Abstammungskontrolle hinsichtlich der Mutter
- Aktive Kennzeichnung
- Farbe und Geschlecht bestimmen
- Abzeichen und Wirbel aufnehmen
- Grafik anfertigen
- Nummernbrand bzw. Chip (laut ZBO)
- Vergabe der eindeutigen unverwechselbaren Lebensnummer
- Erstellung der Abstammungspapiere
Körung Die Körung ist eine der wichtigsten hoheitlichen Aufgaben, welche aber auch in der ZBO je nach Rasse geregelt ist. Nichthoheitliche aber sehr wesentliche Aufgaben sind die Zuchtförderungsmaßnahmen z.B. beim Zuchtschauwesen. Ziele sind hier: Vorstellung der Zuchtpferde bzw. Rassen der einzelnen Sektionen vor einem breiten öffentlichen Publikum (Publicrelations) Wir hoffen mit diesem kurzen Abriss die wichtigen und verantwortungsvollen Aufgaben eines Zuchtverbandes einmal beschrieben zu haben, so dass hier auch jedem Mitglied und Züchterkollegen klar wird, dass die Abläufe während eines Zuchtschautermines je nach Aufgabe - Stutbuchaufnahme
- Körung
- Fohlenaufnahme
- Stuteneintragung
unterschiedlich sind. Organisation Ein Zuchtverband, der so viele Rassen betreut, muss in seiner Gliederung natürlich auch den einzelnen Rassen gerecht werden. Hierzu ist die Organisation so gewählt worden, dass jede Sektion über ihren eigenen Sektionsvertreter verfügt, der die Interessen, Belange und Besonderheiten dieser Rassen im Auge hat und den Richtergremien mit Rat und Tat zur Seite steht. Weiterhin hat dieser Vertreter die Aufgabe, auch die Besonderheiten der jeweiligen Rasse zu fördern, indem er die Zuchtleitung bei der Erstellung von Konzeptionen von Zuchtprogrammen unterstützt. Eine aktive Rassevertretung ist deshalb unabdingbar, um die gewünschten Ziele dieser Rasse zu verstärken und weiterzubringen. Die Ausbildung von Richtern, Rassebeauftragten und Züchtern wird in Form von Seminaren und Weiterbildungsveranstaltungen gewährleistet. Die Einsatzmöglichkeit bunter Pferde ist weit gestreut. Die einzelnen Rassen erfahren im Reit- und Fahrsport immer größere Beliebtheit, da mit mehr Farbe auch mehr Abwechslung in diese Bereiche Einzug hält. Es ist sicherlich noch ein Problem für viele Turnierrichter – egal in welcher Sparte – mit diesen Pferden umzugehen. Aber die jüngere Vergangenheit zeigt, dass bunte und einfarbige Pferde gleichermaßen leistungsfähig sind. Sollten noch mehr Interesse bestehen oder weitere Informationen gewünscht werden, so stehen Ihnen sicherlich die einzelnen Zuchtverbände aber insbesondere der DPZV e.V. gern zur Verfügung. |